Hintergrund

Unsere Gesellschaft steht gegenwärtig vor großen und sich immer weiter verschärfenden Herausforderungen: Auf ökologischer Ebene lässt sich dies durch das Konzept der „planetary boundaries“, der planetaren Grenzen, verdeutlichen. Diese beschreiben für wichtige Bestandteile des ökologischen Systems die Aufnahmekapazität bzw. Ressourcen der Erde sowie unseren gegenwärtigen Umgang damit. Demnach befinden wir uns beispielsweise in den Bereichen Biodiversität und den biochemischen Kreisläufen von Phosphor und Stickstoff bereits im kritischen Bereich. Für den in der Öffentlichkeit viel diskutierten Klimawandel liegen wir aktuell noch im Rahmen der planetaren Grenze, bewegen uns allerdings bei unseren gegenwärtigen Treibhausgas-Emissionen in großen Schritten darauf zu, diese zu überschreiten. Im sozialen Bereich liegt die Ungleichheit in Bezug auf die Einkommensverteilung in vielen Gesellschaften nach wie vor auf hohem Niveau. Gleichzeitig nimmt die Zahl prekär Beschäftigter zu, viele Menschen müssen mehrere Jobs annehmen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Zudem sind die Leistungen des Sozialstaats so ausgelegt, dass die Gefahr von Altersarmut oder Langzeitarbeitslosigkeit steigt. Insgesamt führen all diese Trends zu einer Fragmentierung der Gesellschaft, die das Erstarken populistischer Kräfte begünstigt.

Aus diesen Ausführungen wird ersichtlich, dass unsere Art, zu wirtschaften und unsere Gesellschaft zu organisieren, mittel- bis langfristig zu großen Problemen führen wird. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer „sozial-ökologischen Transformation“, also eines Umbaus unseres Gesellschafts- und Wirtschaftssystems hin zu einer Form, die die natürlichen Grenzen unseres Planeten respektiert und dabei allen Menschen ein gutes Leben ermöglicht. Wie eine solche Gesellschaft aussehen kann, ist dabei noch völlig unklar. An vielen Orten der Welt experimentieren Menschen mit alternativen Lebensformen oder einzelnen Elementen davon. Beispiele hierfür sind das Konzept der Kreislaufwirtschaft, Regionalwährungen, Gemeinschaftsgärten, Tausch- und Umsonstläden oder Genossenschaften und Kooperativen, um nur einige zu nennen.

Das Potenzial dieser Elemente zu verstehen, ihre Wechselwirkung zu gestalten und daraus letztlich ein funktionierendes Gesellschafts- und Wirtschaftssystem zu erschaffen, geht allerdings im Normalfall über die Kapazitäten einzelner Akteur*innen hinaus. An dieser Stelle wird eine Unterstützung von wissenschaftlicher Seite nicht nur hilfreich, sondern vielleicht sogar unerlässlich. Vor diesem Hintergrund wurde vor einigen Jahren der Begriff der „Transformativen Wissenschaft“ (TW) geprägt, um zunächst eine Wissenschaft zu beschreiben, die die sozial-ökologische Transformation unterstützt. Außerdem wird unter dem Schlagwort der TW auch die Frage gestellt, ob unser gegenwärtiges Wissenschaftssystem für diese Aufgabe geeignet ist oder selbst einer Transformation bedarf.

Der Diskurs zu TW bewegt sich dabei fast ausschließlich in akademisch-intellektuellen Kreisen. Eine leicht verständliche Darstellung, die einer breiteren Öffentlichkeit einen Zugang zur Debatte ermöglichen würde, gibt es nach unserem Kenntnisstand nicht. Darum möchten wir ein Buch von jungen Menschen für junge Menschen schreiben, das die wichtigsten Hintergründe und Diskussionen des TW-Diskurses bündig und gut nachvollziehbar beschreibt. Zielgruppe eines solchen Buches sind primär Studierende und Nachwuchswissenschaftler*innen aller Fachrichtungen, die an Nachhaltigkeitsthemen und dem Beitrag der Wissenschaft dazu interessiert sind.

Konzeptuell ist angedacht, das Buch in der Form einer journalistischen Lernreise zu gestalten. Dabei erarbeiten wir uns durch eigene Recherchen sowie Interviews mit Expert*innen selbst einen Überblick über den TW-Diskurs und dokumentieren unsere Lernerfahrung in Buchform, um die Leser*innen daran teilhaben zu lassen. Wir wollen mit dem Buch zum Reflektieren über die eigene Rolle als (zukünftige*r) Forscher*in anregen.

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