CoalExit Forschungsgruppe

Technische Universität Berlin
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung Berlin
Europa-Universität Flensburg

Orte: Berlin, Flensburg

Seit: 2017

Bis:

Aktiv in: Lehre; Forschung; Netzwerke aufbauen; akademisches Publizieren; wissenschaftliche Politikberatung

Website CoalExit, Website CoalTransitions

Twitter CoalExit, Twitter CoalTransitions

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Das übergeordnete Ziel Eurer Arbeit:

Wir untersuchen Gestaltungsoptionen eines sozialverträglichen Kohleausstiegsplans – in Deutschland, Europa und Global.  Dabei werden Erkenntnisse aus bereits vollzogenen Transformationsprozessen, kontinuierliches Feedback von einbezogenen Stakeholder*innen, institutionelle Überlegungen zum Policy Design, rechtliche Fragen sowie quantitative Berechnungen zum europäischen Strommarkt und induzierten Beschäftigungseffekten berücksichtigt.

 

Beschreibt in bis zu 100 Worten, wer Ihr seid und was Ihr macht:

Eine der zentralen gesellschaftlichen Fragestellungen ist, wie der globale Verbrauch von Kohle gezielt durch adäquate Energie- und Klimapolitik verringert werden kann, um die Folgen des Klimawandels einzudämmen. Bei der bisherigen Energie- und Klimaforschung werden die komplexen Verteilungswirkungen der notwendigen Transformationsprozesse zwischen Akteuren, Sektoren, Regionen und Nationen nicht ausreichend berücksichtigt.

Eine Analyse des anstehenden Strukturwandels durch den Kohleausstieg ist jedoch essentiell für eine Ausgestaltung der sich anbahnenden Umwandlungsprozesse, um die soziale Akzeptanz einer globalen Energiewende nicht zu gefährden. Entwickelt wird ein Rahmen für den deutschen Kohleausstieg, der die Ziele von Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit sowie Sozialverträglichkeit vereint. Darauf aufbauend wird in Länderfallstudien die Übertragbarkeit dieser Erkenntnisse zum deutschen Kohleausstieg auf andere Länder mit derzeit großer (energie-)wirtschaftlicher Bedeutung von Kohle untersucht.

Da weitreichende Klimawandelvermeidung nicht nur durch nationale Bemühungen und nicht nur über die Einschränkung des Kohleverbrauchs erreicht werden kann, erfolgt parallel eine Betrachtung der Implikationen für den internationalen Kohlemarkt sowie Interdependenzen mit dem Ausstieg aus anderen fossilen Rohstoffmärkten, wie Erdöl und Erdgas.

 

3 thematische Schwerpunkte Eurer Arbeit:

Kohleausstieg und Strukturwandel (Verbindung von ökonomischen, ökologischen und sozialen Faktoren)

Energiesystemtransformation zu 100% Erneuerbaren Energien unter Berücksichtigung von technologischen und sozialen Aspekten

Verbindung von qualitativen und quantitativen Ansätzen

 

Beschreibt Eure Aktivitäten in zehn Stichworten:

Kohleausstieg; Erdgasausstieg; Erneuerbare Energien; Ausgestaltung von Strukturwandelprozessen; Energiesystemtransformation; Nexus von Energie und Gender; Modellierung globaler Kohlemärkte; Forschung; Lehre; Politikberatung

Wo würdet Ihr Eure Praxis verorten zwischen den Polen…

Kohleausstieg ist keine Nische, aber wir versuchen einen Gegenentwurf zu „realpolitischen“ Konzepten zu finden, die stärker dem Klimaschutz verpflichtet sind.

Wir machen Forschung, sind bei Scientists for Future aktiv und einige von uns kommen aus dem aktivistischen Spektrum.

Wir sind alle hauptamtlich.

100% Erneuerbare und Kohleausstieg sind keine Utopie mehr. Wir gehen aber einen Schritt weiter und beziehen in unsere Analyse auch Akteur*innen ein, die sonst nicht/wenig gehört werden (z.B. Gender und Kohleausstieg), beschäftigen uns mit Regionen die bisher wenig erforscht sind (z.B. Kolumbien, Südafrika) und versuchen durch unseren wissenschaftlichen Beitrag Realpolitik immer wieder in Frage zu stellen.

Die TU Berlin, das DIW Berlin und die EUF sind renommierte Institutionen.

Wir beziehen in unsere wissenschaftliche Arbeit viele Stakeholder*innen mit ein (Politik, Wissenschaft, Gesellschaft und Wirtschaft).

Mit welcher Eurer Aktivitäten aus der letzten Zeit seid Ihr besonders zufrieden und warum?

Wir haben in den letzten zwei Jahren einflussreiche, viel zitierte Politikberatung zum deutschen Kohleausstieg leisten dürfen und auch vielfach veröffentlicht. Wir konnten während und anschließend an die Kohlekommission und auch im Prozess der Verabschiedung des Kohlegesetzes mit unseren Redebeiträgen und Veröffentlichungen eine fundierte Gegendarstellung zu den Aussagen der Kohlekonzerne liefern. Zum Beispiel konnten wir aufzeigen, dass insbesondere die Abbaggerung bedrohter Dörfer und des Hambacher Waldes energiepolitisch gar nicht mehr notwendig ist.

Mit unseren Forschungsergebnissen zu den verbleibenden und nicht mehr benötigten Restkohlemengen und der energiewirtschaftlichen Notwendigkeit der rheinischen Tagebaue, wurde im Endeffekt auch die Arbeit von BUND und Greenpeace, sowie den Initiativen vor Ort von Antje Grothus und «Alle Dörfer bleiben» inhaltlich gestärkt.

 

Welche Aktivitäten habt Ihr als nächstes geplant?

Weitere Forschungsarbeiten zum Kohleausstieg in Südafrika und Kolumbien, die wissenschaftliche Analyse der Kohlekommission und der Vergleich mit Kommissionen und «round tables» in anderen Kohleregionen

Die Erarbeitung eines Vulnerabilitäts-Index für Kohleregionen sowie Gegenkonzepte zu neoklassischen Ansätzen in unsere Arbeit mitaufnehmen

Die weitere Begleitung des Strukturwandels in Deutschland, insbesondere die Analyse, was mit den, im Vergleich zu anderen Ländern, sehr hohen Strukturwandelgelder (40 Milliarden in den nächsten 20 Jahren) passiert, und welche Projekte und Akteure damit unterstützt werden

Genauere Untersuchungen zum Themenkomplex Kohle-Klima-Gender

 

Zu welchem Thema würdet Ihr gerne arbeiten oder aktiv werden, wenn Ihr keinen praktischen Einschränkungen (z.B. Finanzierung, Zeit) unterläget?

Einige von uns würden sich gerne intensiver mit dem Thema «Degrowth» auseinandersetzen. Das Feld ist allerdings sehr weit und umfasst viel mehr als den Energiebereich, in dem wir bisher forschen. Aus diesem Grund ist es für uns auch schwierig das Thema zu finanzieren und in Projektanträgen unterzubringen.

Interessant sind für uns auch die Ansätze von Kate Raworth, die sogenannten Doughnut Economics die einen Gegenentwurf zur gängigen Volkswirtschaftslehre darstellen, bei denen die sozialen und planetaren Grenzen die Rahmenbedingung des Wirtschaftens ausmachen.

Welche zentrale Lernerfahrung habt Ihr in Eurer Arbeit zu Transdisziplinarität/Transformativer Wissenschaft gemacht?

Unserer Erfahrung nach ist es für die transformative Wissenschaft wichtig, sich mit anderen beteiligten Akteur*innen eng über den aktuellen politischen Diskurs auszutauschen.

Beispielsweise gibt es eine Diskussionsrunde zu Kohle, in der Vertreter*innen von Umweltorganisationen, Politik und auch aus der Forschung zusammenkommen können, um über Aspekte des Kohleausstiegs zu diskutieren.

Ein ähnliches Format zu Erdgas wurde erst kürzlich durch unsere Forschungsgruppe initiiert. Erdgas stellt als vermeintlich klimafreundliche Brückentechnologie wiederum eine fossile und schnellwachsende Energiequelle dar und der Bedarf, von Wissenschaft, Umwelt NGOs und Politik sich auszutauschen, drängt und ist groß.

 

Was ist Euer Geheimtipp für die Arbeit zu Transdisziplinarität/Transformativer Wissenschaft?

Es ist zeit- und arbeitsintensiv, lohnt sich aber, weil der Erkenntnisgewinn und der gesellschaftliche Mehrwert größer ist!

 

Was ist die größte Herausforderung bei Aktivitäten zu Transdisziplinarität/Transformativer Wissenschaft?

Dass diese innerhalb einiger akademischer disziplinärer Zirkel noch nicht ausreichend gewürdigt wird.

 

Welche institutionellen und/oder strukturellen Faktoren erschweren Euch die Aktivitäten im Bereich Transdisziplinarität/Transformativer Wissenschaft?

In einer wissenschaftlichen Karriere wird vor allem das akademische Publizieren belohnt. Und das Veröffentlichen in renommierten Journals wird viel eher durch «Exzellenz» oder durch eine Spezialisierung in den jeweiligen Bereichen möglich, als durch transdisziplinär aufgestellte Forschungsprojekte und deren Ergebnisse. Auch sind nicht alle Fördergeber*innen offen für die Finanzierung von transdisziplinären Forschungsansätzen.

Stand: August 2020

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