Master Transdiziplinarität

Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK)

Ort: Zürich

Seit: 2008

Bis:

Aktiv in: Forschung; Lehre; Netzwerke aufbauen; akademisches Publizieren

Website

Das übergeordnete Ziel Eurer Arbeit:

Studienangebot an Schnittstellen unterschiedlicher künstlerischer Fächer oder solchen zwischen Kunst und wissenschaftlichen Disziplinen oder nicht-künstlerischen Berufen

 

Beschreibt in bis zu 100 Worten, wer Ihr seid und was Ihr macht:

Ein Studiengang an einer Kunsthochschule, der eine Scharnierfunktion zwischen unterschiedlichen Disziplinen in Kunst und Design, Wissenschaft und Gesellschaft wahrnimmt. Unser Ziel ist, unsere Studierenden dazu zu befähigen, sich in kooperativen Konstellationen zu positionieren, unterschiedlichen Frage- und Problemstellungen kritisch und reflektiert zu begegnen und für deren Bearbeitung neue und über disziplinäre Engführungen hinausweisende Verfahren und Formate zu entwickeln.

 

3 thematische Schwerpunkte Eurer Arbeit:

Wissensformen und Denkpraktiken in den Künsten und anderswo. Der Schwerpunkt orientiert sich an aktuellen Diskursen über sich verändernde Produktions- und Distributionsformen von Wissen als einer der wichtigsten Ressourcen in einer sogenannten Wissensgesellschaft, in die – spätestens seit Kunsthochschulen einen offiziellen Forschungsauftrag haben – auch die Künste involviert sind. Nebst der Frage, was unter Forschung in den Künsten zu verstehen sei, steht auch zur Debatte, welche spezifischen Wissens- und Erkenntnisformen in den Künsten und in künstlerischen und ästhetischen Verfahren generiert und durch sie vermittelt werden.

Andere Orte, Räume, Öffentlichkeiten. Der Schwerpunkt befasst sich mit der Kritik an institutionellen Rahmungen, funktional definierten Orten und den mit ihnen einhergehenden Ein- und Ausschlusseffekten. Zur Debatte steht, wie mit örtlichen und räumlichen Gegebenheiten und Bedingungen gearbeitet werden kann – womöglich auch gegen ihre Programme –, wie andere Orte angeeignet und für ein anderes Publikum zugänglich gemacht werden können. Damit verbunden sind immer auch Fragen an den urbanen Raum, der als Schauplatz künstlerischer Interventionen, die sich oft mit Methoden der soziologischen oder ethnologischen Stadtforschung verbinden, zunehmend an Relevanz gewinnt.

Mittler und Hybride: Figuren des Dazwischen. In den Blick genommen werden Konstellationen, die sich zwischen disziplinären, fachlichen, medialen oder kulturell geprägten Paradigmen und Denkformen bilden, solche zur Verhandlung bringen oder zwischen ihnen vermitteln. Wir diskutieren und erproben Konzepte, Projekte und Formate, die sich einer Zuordnung zu definierten Genres entziehen, eine mittlere oder vermittelnde Position zwischen etablierten Kategorien einnehmen und damit neue Denk- und Verhandlungsräume öffnen.

 

Beschreibt Eure Aktivitäten in zehn Stichworten:

Disziplinarität / Transdisziplinarität; Wissensformen / Anderes Wissen; Epistemologie der Künste; Künstlerische Forschung; Ästhetik; Stadtforschung; Kunst & Intervention / Kunst und Aktivismus; Commons / Allmende / Teilen und Teilhabe; Institutionskritik; Kritik / Kritische Theorie

Wo würdet Ihr Eure Praxis verorten zwischen den Polen…

Als regulärer Studiengang an einer etablierten staatlichen Kunsthochschule sind wir weder Nische noch Gegenentwurf. Das Studienangebot kann von (potentiellen) Studierenden dennoch als „Nische“ in einem üblicherweise ausdifferenzierten Fächerangebot wahrgenommen werden, da es ein Studium an disziplinären Schnittstellen (und das Transzendieren disziplinärer Zuordnungen) ermöglicht. In diesem Sinne kann es auch als Gegenentwurf zu „Spartenstudiengängen“ an einer Kunsthochschule verstanden werden.

Als Studiengang an einer Kunsthochschule sind wir in den Künsten, nicht in den Wissenschaften verortet. Die Frage, wie sich Kunst und Wissenschaft zueinander verhalten, ist nicht nur Gegenstand der anhaltenden Debatte zur „Künstlerischen Forschung“, sondern auch Inhalt des Studiums. Aktivistische Praktiken spielen in den Künsten mindestens seit Beginn des 20. Jh. eine wichtige Rolle und werfen Fragen zur gesellschaftlichen Relevanz bzw. politischen „Schlagkraft“ der Künste auf. Die Verbindung von Kunst und Aktivismus verstehen wir als „transdisziplinär“. Die Fragen, die uns umtreiben, verlaufen aber weniger entlang der Linie Wissenschaft–Aktivismus, sondern an jener „Kunst“ – „andere Felder“ (= Wissenschaften, Politik/Aktivismus, Gesellschaft …)

Keine „ehrenamtlichen“ Tätigkeiten im Studiengang (man ist entweder für Lehre/Forschung bezahlt oder bekommt Credits für Studienleistungen).

Kommt drauf an, was in den Blick genommen wird: „Realpolitik“, wenn es um die Positionierung des Studiengangs an der ZHdK/in der Bildungslandschaft geht; oft Utopie, wenn es um die Inhalte der Lehre und die Anliegen der Studierenden geht.

Es gibt den Studiengang nun seit über 10 Jahren; er funktioniert insofern gut, als dass es genügend Bewerber*innen dafür gibt, er von einem engagierten Team getragen und innerhalb der Hochschule bzw. ihrer Leitung als wichtig erachtet wird. Etabliert?

Gegründet wurde der Studiengang „top-down“ (Idee des damaligen Rektors). Die Inhalte, die im Studium behandelt werden, werden von den Studierenden massgeblich geprägt (bottom-up).

Mit welcher Eurer Aktivitäten aus der letzten Zeit seid Ihr besonders zufrieden und warum?

Es gibt zwar eine Art „Wir“ – den Studiengang. Aber hauptsächlich gibt es einzelne Lehrveranstaltungen, die von unterschiedlichen Dozierenden, in der Regel im Teamteaching, verantwortet werden. Wir sind immer wieder besonders zufrieden mit einzelner solcher Lehrveranstaltungen – manchmal auch weniger…

 

Welche Aktivitäten habt Ihr als nächstes geplant?

Neue Lehrveranstaltungen

 

Zu welchem Thema würdet Ihr gerne arbeiten oder aktiv werden, wenn Ihr keinen praktischen Einschränkungen (z.B. Finanzierung, Zeit) unterläget?

Wir sind in einer komfortablen Situation: umfassende Lehrfreiheit, grosszügige Finanzierung.

Welche zentrale Lernerfahrung habt Ihr in Eurer Arbeit zu Transdisziplinarität/Transformativer Wissenschaft gemacht?

Es geht ums Partikulare, Einzelne – jedes Anliegen, jede Konfiguration erfordert andere (neue?) Konzepte, Vorgehensweisen, Denkfiguren…

 

Was ist Euer Geheimtipp für die Arbeit zu Transdisziplinarität/Transformativer Wissenschaft?

Dem Zaudern, Zögern, Zweifeln Raum geben und dem dummen Fragen. Zeit einräumen, viel Zeit…

 

Was ist die größte Herausforderung bei Aktivitäten zu Transdisziplinarität/Transformativer Wissenschaft?

Das Zaudern, Zögern, Zweifeln – und der Mangel an Zeit.

 

Welche institutionellen und/oder strukturellen Faktoren erschweren Euch die Aktivitäten im Bereich Transdisziplinarität/Transformativer Wissenschaft?

ECTS-Verrechnungen, Studienzeitbeschränkungen, Formalisierungen…

Stand: April 2020

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