DynaMo – Mobilitäts-Energie-Dynamiken in urbanen Räumen

Westfälische Wilhelms-Universität Münster - Institut für Politikwissenschaft;
Universität Stuttgart - Zentrum für interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung (ZIRIUS);
Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO);
Universität Stuttgart - Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement (IAT)

Ort: Münster; Stuttgart

Seit: 2016

Bis: 2021

Aktiv in: Lehre; Forschung; Wissenschaftskommunikation; Netzwerke aufbauen; akademisches Publizieren

Website

Das übergeordnete Ziel Eurer Arbeit:

Das Projekt verfolgt das Ziel, die Dynamiken urbaner Mobilitätstransitionen hin zu mehr Nachhaltigkeit zu verstehen und zu erklären.

 

Beschreibt in bis zu 100 Worten, wer Ihr seid und was Ihr macht:

Die Nachwuchsgruppe DynaMo – Mobilitäts-Energie-Dynamiken in urbanen Räumen – beschäftigt sich mit inter- und transdisziplinärer Forschung im Bereich der urbanen Personenmobilität und wird im Rahmen des Förderschwerpunkts Sozial-ökologische Forschung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. In Münster und Stuttgart entstehen zwei Habilitationen sowie fünf Dissertationen in den Fächern Politikwissenschaft, Soziologie und Stadtplanung. DynaMo erforscht aktuelle Wandlungsprozesse bzw. zukünftige Wandlungspotenziale (Dynamiken) im Bereich urbaner Personenmobilität. Auf Basis der Forschungsergebnisse und deren interdisziplinärer Integration werden im Austausch mit Praxisakteuren problembezogene Thesen zu nachhaltiger Personenmobilität in Städten entwickelt, mit denen DynaMo Transformationspfade in der Debatte um Mobilität aufzeigen möchte.

 

3 thematische Schwerpunkte Eurer Arbeit:

Nachhaltige Personenmobilität in urbanen Räumen

Legitimität und Wahrnehmung mobilitätspolitischer Maßnahmen & Prozesse

Ssoziotechnische & soziokulturelle Verständnisse von Mobilität

 

Beschreibt Eure Aktivitäten in zehn Stichworten:

Inter- und transdisziplinäre Wissensintegration; Wissensanwendung – Betrachtung von Maßnahmen zur Gestaltung urbaner Personenmobilität; Repräsentativbefragung zur Akzeptanz von verkehrspolitischen Maßnahmen; Werkstattberichte; Praxisworkshops; PhD-Workshops; wissenschaftliche Netzwerkarbeit; anwendungsorientierte Hochschullehre; (wissenschaftliche) Nachwuchsförderung; Bildungsworkshops

Wo würdet Ihr Eure Praxis verorten zwischen den Polen…

Durch unseren Fokus auf soziotechnische und soziokulturelle Verständnisse von Mobilität würden wir unsere Praxis eher in Richtung gesamtgesellschaftlicher Gegenentwurf verorten.

Wir sind Wissenschaftler*innen und schauen aus dieser Perspektive auf Aktivismus.

Die Wissenschaft ist unser Beruf. Wir sind also hauptamtlich als Wissenschaftler*innen tätig.

Meist setzen wir uns mit realpolitischen Themen auseinander. Wenn wir jedoch socio-technical imaginaries in der Debatte um autonomes Fahren analysieren, kann unsere Forschung auch in Richtung Utopie gehen.

Als Nachwuchsforschungsgruppe würden wir uns, wie der Name schon sagt, eher als Newcomer*innen bezeichnen.

Es ‘braucht’ beides. Deshalb finden wir es sehr spannend, dass in unserem Projekt zum Beispiel sowohl eine Dissertation zu EU-Politiken entsteht als auch eine, die sich mit bottom-up Fahrrad-Aktivismus beschäftigt.

Mit welcher Eurer Aktivitäten aus der letzten Zeit seid Ihr besonders zufrieden und warum?

Die Doktorand*innen der Nachwuchsgruppe haben eigenverantwortlich einen internationalen PhD-Workshop zum Thema Paving ways: Junior researchers’ perspectives on urban mobility transitions organisiert und durchgeführt. Der Austausch mit internationalen Nachwuchswissenschaftler*innen und etablierten Wissenschaftler*innen aus dem Bereich Mobilität war sehr konstruktiv und gewinnbringend. Außerdem haben wir, neben Publikationen einzelner Nachwuchsgruppenmitglieder, mittlerweile gemeinsam als Gruppe drei DynaMo-Werkstattberichte sowie einen wissenschaftlichen Artikel publizieren können (unsere Publikationen findet ihr hier):

– Werkstattbericht I (April 2018): Wissensintegration – Eine inter- und transdisziplinäre Perspektive auf die nachhaltige Gestaltung von Personenmobilität in urbanen Räumen

– Werkstattbericht II (April 2019): Wissensanwendung – Eine konzeptionelle Betrachtung von Maßnahmen zur Gestaltung urbaner Personenmobilität

– Werkstattbericht III (August 2020): Alltagsmobilität und Bewertung verkehrspolitischer Maßnahmen seitens der Bevölkerung im städtischen Vergleich. Deskriptive Ergebnisse einer Repräsentativbefragung in Stuttgart und Münster

– Feldhoff, Berenike; Stockmann, Nils; Fanderl, Nora; Gahle, Anne-Kathrin; Graf, Antonia; Leger, Matthias; Sonnberger, Marco (2019): Bridging Theories and Practices: Boundary Objects and Constellation Analysis as Vehicles for Interdisciplinary Knowledge Integration. In: Sustainability 11 (19).

 

 

Welche Aktivitäten habt Ihr als nächstes geplant?

Wir entwickeln zurzeit auf Basis unserer Forschungsergebnisse problembezogene Thesen zur nachhaltigen Transformation urbaner Personenmobilität. Die Thesen drehen sich u.a. um Fragen der Gerechtigkeit, Intersektionalität, Flächenkonkurrenz und Partizipation im Mobilitätsbereich. Mit diesen Thesen möchten wir mögliche Transformationspfade in der Debatte um urbane Personenmobilität aufzeigen. Es geht uns darum, Probleme sichtbar zu machen sowie den Dialog zwischen Umsetzenden, Planenden, Forschenden und Politiker*innen auf den Weg zu bringen.

 

Zu welchem Thema würdet Ihr gerne arbeiten oder aktiv werden, wenn Ihr keinen praktischen Einschränkungen (z.B. Finanzierung, Zeit) unterläget?

Wir haben das Privileg, derzeit genau an den Themen arbeiten zu dürfen, für die wir uns auch brennend interessieren.

Welche zentrale Lernerfahrung habt Ihr in Eurer Arbeit zu Transdisziplinarität/Transformativer Wissenschaft gemacht?

Wir haben uns zu Beginn des Projekts viel Zeit genommen, um zu einem gemeinsamen Verständnis von inter- und transdisziplinärer Wissensintegration zu kommen. In dieser Zeit haben wir (zunächst theoretisch) viel über transdisziplinäre Forschung gelernt. Auf dieses Wissen konnten wir während der Projektlaufzeit sowie in der Zusammenarbeit mit Praxispartner*innen immer wieder zurückgreifen. Wir haben also gelernt, dass ein gemeinsames Verständnis wichtig für eine funktionierende Zusammenarbeit ist. Ebenso wichtig ist es jedoch, die Besonderheit jeder einzelnen (disziplinären) Perspektive zu würdigen. Eine auf diese Art und Weise erzielte Vielstimmigkeit ist wie ein Chor, der wegen der einzelnen Stimmen harmonisch klingt.

 

Was ist Euer Geheimtipp für die Arbeit zu Transdisziplinarität/Transformativer Wissenschaft?

Im Rahmen der Aushandlung eines geteilten Verständnisses von inter- und transdisziplinärer Wissensintegration haben wir einen gemeinsamen Bezugsrahmen entwickelt, welcher uns über die gesamte Projektlaufzeit begleitet und die gemeinschaftliche Arbeit strukturiert. Als gemeinsamer Bezugsrahmen dient im Projekt DynaMo das Grenzobjekt Nachhaltige Transformation urbaner Personenmobilität. Die dem Grenzobjekt zugeordneten Basiskonzepte (Governance, Partizipation, Mobilitätspraktiken, Legitimität, Raum und Macht) stecken das Diskussionsfeld ab, und das Leitbild der starken Nachhaltigkeit dient als Zieldimension für Empfehlungen und Bewertungen. Das Grenzobjekt sorgt für produktive Reibung, die es uns einerseits ermöglicht, ein gemeinsames Ziel zu verfolgen, während andererseits die Gruppenmitglieder ihre eigene Identität als Forscher*innen verschiedener Disziplinen beibehalten können und sollen.

 

Was ist die größte Herausforderung bei Aktivitäten zu Transdisziplinarität/Transformativer Wissenschaft?

Durch Interessenskonflikte bei heterogenen Akteurskonstellationen treffen substanziell unterschiedliche Wissensformen und Handlungslogiken mit sich zum Teil widersprechenden Strukturen, Sichtweisen und Präferenzen aufeinander. Die zentrale Herausforderung liegt darin, die gemeinsamen Ziele herauszuarbeiten, ohne durch Gleichmacherei Interessenskongruenz zu unterstellen.

Dem manchmal geäußerten Wunsch nach einfachen, schnellen und günstigen Lösungen stehen nicht selten komplexe Problemstellungen gegenüber. Diese Spannung immer wieder produktiv nutzen zu wollen und die »Kirche im Dorf zu lassen«, ohne den Blick fürs Detail zu verlieren, ist eine weitere Herausforderung der Transdisziplinarität.

 

Welche institutionellen und/oder strukturellen Faktoren erschweren Euch die Aktivitäten im Bereich Transdisziplinarität/Transformativer Wissenschaft?

Die sozialwissenschaftliche Forschung ist nach wie vor sehr strikt in einzelne Fachdisziplinen unterteilt. In der Forschungslandschaft sind inter- und transdisziplinär ausgerichtete Professuren/Institute, interdisziplinäre Forschungsförderung und hochkarätige transdisziplinär ausgerichtete Journals nach wie vor selten. Als Forschende*r im transdisziplinären Bereich ist man deshalb hin und her gerissen zwischen disziplinären Logiken, die wichtig für die eigene Weiterqualifizierung sind, und der transdisziplinären Forschung, die unabdingbar für das »Lösen« komplexer Probleme ist.

 

Was sind aus Eurer Sicht blinde Flecken im Diskurs zu Transformativer Wissenschaft?

Durch den Fokus der transformativen Wissenschaft auf die konkrete Erprobung und Umsetzung von sozialen und/oder technischen Innovationen bleibt teilweise die Reflektion darüber auf der Strecke, welche anderen Zukunftsoptionen dadurch (systematisch) ausgeschlossen werden.

Stand: September 2020

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