ISOE – Institut für
sozial-ökologische Forschung

Außenansicht des ISOE in der Hamburger Allee 45 in Frankfurt am Main. Copyright: Jürgen Mai

Ort: Frankfurt am Main

Seit: 1989

Bis:

Aktiv in: Lehre; Forschung; Wissenschaftskommunikation; Netzwerke aufbauen; Prozessgestaltung; akademisches Publizieren

Website

Das übergeordnete Ziel Eurer Arbeit:

Forschung und Beratung für eine nachhaltige Entwicklung im Anthropozän

 

Beschreibt in bis zu 100 Worten, wer Ihr seid und was Ihr macht:

Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung gehört zu den führenden unabhängigen Instituten der Nachhaltigkeitsforschung. Es entwickelt seit seiner Gründung 1989 wissenschaftliche Grundlagen und zukunftsweisende Konzepte für sozial-ökologische Transformationen. Als in der transdisziplinären Forschung ausgewiesenes Institut arbeitet das ISOE sowohl grundlagen- als auch beratungsorientiert. Seine Wissenschaftler*innen aus unterschiedlichsten Disziplinen der Sozial- und Naturwissenschaften forschen in engem Austausch mit Akteur*innen aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft zu drängenden globalen Problemen wie Wasserknappheit, Klimawandel, Mobilität, Biodiversitätsverlust und Landdegradation – auch in internationalen Projekten. Für tragfähige Lösungen arbeitet das ISOE mit dem Konzept sozial-ökologischer Versorgungsysteme (SES), das die vielfältigen Dynamiken zwischen Gesellschaft und Natur zueinander in Beziehung setzt. Dafür bildet die Frankfurter Soziale Ökologie als Wissenschaft von den gesellschaftlichen Naturverhältnissen die theoretische Grundlage.

 

3 thematische Schwerpunkte Eurer Arbeit:

Wasserressourcen, Landnutzung und Biodiversität

Nachhaltigkeit im Alltag – Energie, Konsum, Mobilität

Transdisziplinäre Methoden und Konzepte

 

Beschreibt Eure Aktivitäten in zehn Stichworten:

Transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung; sozial-ökologische Versorgungssysteme (SES) und Transformationen; Wasserressourcen, Wasserinfrastrukturen und Risikoanalysen; nachhaltige Konsummuster und Lebensstile; Energie und Klimaschutz im Alltag; nachhaltige Mobilitätskultur in städtischen und ländlichen Räumen; Landnutzung und Biodiversität; transdisziplinäre Methoden und Konzepte; soziale Ökologie in der Hochschullehre; Wissenstransfer und Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung (BNE)

Wo würdet Ihr Eure Praxis verorten zwischen den Polen…

Bei der Gründung im Jahr 1989 als eigenständiges, außeruniversitäres Institut mit der neuen Forschungsrichtung Soziale Ökologie als kritischer Wissenschaft von den gesellschaftlichen Naturverhältnissen sicher ungewöhnlich – inzwischen deckt das Portfolio des ISOE exemplarisch den Forschungs- und Beratungsbedarf für eine nachhaltige Entwicklung im Anthropozän ab.

Die Wissenschaftler*innen des ISOE forschen auf der Grundlage des vom ISOE entwickelten Forschungsprogramms »Frankfurter Soziale Ökologie«. Für tragfähige Lösungsalternativen nutzen wir unser Grundlagenwissen über konkrete sozial-ökologische Problemlagen in transdisziplinären Projekten, wie wir auch umgekehrt die Ergebnisse aus unserer empirischen Forschung für die beständige Erweiterung unserer sozial-ökologischen Wissensbasis nutzen.

Am ISOE arbeiten – Stand Januar 2021 – 60  Mitarbeiter*innen, davon sind 40 Wissenschaftler*innen mit Qualifikationen aus den Sozial-, Natur-, Planungs- und Ingenieurwissenschaften.

Mit seiner wissenschaftlichen Expertise und Beratungskompetenz entwickelt das ISOE zielgerichtet und fallspezifisch Lösungsalternativen für konkrete Nachhaltigkeitsprobleme, die Akteure aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft nutzen können, um sozial-ökologische Transformationen zu gestalten.

Als Pionierinstitut der transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung ist das ISOE seit mehr als 30 Jahren fest in der Wissenschaftslandschaft verankert, und versteht sich als Vorreiter der sozial-ökologischen Forschung in Deutschland.

Nachhaltige Entwicklung kann nur gelingen, wenn alle Beteiligten – Gesellschaft, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft – die notwendigen Transformationsprozesse gemeinsam auf den Weg bringen. Das ISOE hat dafür sozial-ökologische Gestaltungsprinzipien entwickelt und legt einen Schwerpunkt auf den Transfer von Wissen für eine nachhaltige Entwicklung.

Welche zentrale Lernerfahrung habt Ihr in Eurer Arbeit zu Transdisziplinarität/Transformativer Wissenschaft gemacht?

Transdisziplinäre Forschung (TD-Forschung) stellt neue Anforderungen an alle Beteiligten – nicht nur an unterschiedliche Praxisakteure, sondern auch an die interdisziplinären Wissenschaftler*innen. Zentral für einen wirksamen TD-Forschungsprozess ist die Erarbeitung eines gemeinsamen Problemverständnisses, die Integration des neu erzeugten Wissens (System-, Orientierungs- und Transformationswissen) sowie die kritische Überprüfung für die Anwendung in der Praxis und die Übertragbarkeit auf andere Handlungskontexte. Hierfür hat das ISOE die erforderlichen methodischen Grundlagen erarbeitet und ein Kompetenzspektrum entwickelt, das über das klassische disziplinäre Portfolio hinausreicht.

 

Was ist Euer Geheimtipp für die Arbeit zu Transdisziplinarität/Transformativer Wissenschaft?

Das Geheimnis liegt im kritisch-reflexiven Umgang mit der transformativen Kraft, die jeder Wissenschaft innewohnt. Der Selbstreflexion über die Rolle der beteiligten Wissenschaftler*innen im transdisziplinären Forschungsprozess kommt damit eine wesentliche Bedeutung zu. Als Wissenschaftler*in muss ich verstehen, nicht länger die Position eines außenstehenden Beobachters einnehmen zu können, sondern mich in dieser Position als Teilnehmner*in in dem untersuchten Problemkontext zu verstehen. Damit kommen Fragen der Legitimität, kritischen Distanz und Fairness in den Blick: welche intendierten Wirkungen beeinflussen meine Forschung? Wie ist mit Risiken und unbeabsichtigten Wirkungen in transdisziplinären Forschungsprozessen umzugehen? Wie beeinflusst die Wahl der Methoden und Verfahren das Ergebnis meiner Forschung, ihre Qualität und Wirksamkeit?

 

Was ist die größte Herausforderung bei Aktivitäten zu Transdisziplinarität/Transformativer Wissenschaft?

Die größte Herausforderung der TD-Forschung stellen die kritische Prüfung ihrer Wirksamkeit und die Qualitätssicherung dar. Der Bedarf an transdisziplinärer Forschung wächst, aber nicht alle Projekte, die mit dem »Label« arbeiten, weisen die Qualitätsmerkmale einer hochwertigen integrativen TD Forschung auf. Hier ist es wichtig, wissenschaftliche Standards in Forschung und Lehre zu etablieren. Das ISOE hat dafür ein längerfristig angelegtes Projekt »Plattform tdAcademy« auf den Weg gebracht.

 

Welche institutionellen und/oder strukturellen Faktoren erschweren Euch die Aktivitäten im Bereich Transdisziplinarität/Transformativer Wissenschaft?

Die Förderung explizit transdisziplinärer Forschungsprojekte erfolgt bislang noch zu zögerlich. Das ist bedauerlich, gemessen am Bedarf an einer Forschung, die nicht nur »beobachtet«, sondern gesellschaftlich komplexe Problemlagen beschreibt, analysiert und unter einem Gestaltungsanspruch zu sozial robusten, akzeptierten und umsetzbaren Lösungsalternativen beiträgt.

Stand: Januar 2021

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