RegioTransform

Universität Bayreuth

Wandelwerkstatt 2019 – die Pionier*innen der Region vernetzen und sie durch Capacity Building für den Wandel fit machen

Ort: Bayreuth und Umgebung

Seit: 2017

Bis: 2021

Aktiv in: Lehre; Forschung; Wissenschaftskommunikation; Netzwerke aufbauen; Prozessgestaltung; Campaigning; Lobbying; akademisches Publizieren; Beratung; Innovationsraum

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Das übergeordnete Ziel Eurer Arbeit:

RegioTransform zielt darauf ab, zu untersuchen, wie systemische Veränderungsprozesse in der Region Bayreuth initiiert und begleitet werden können. Kerngedanke ist die Erforschung, der Aufbau und die Etablierung einer regionalen Plattform für transdisziplinäre Wissensproduktion und eine Transformation zur Nachhaltigkeit.

 

Beschreibt in bis zu 100 Worten, wer Ihr seid und was Ihr macht:

RegioTransform ist ein Forschungsprojekt der Abteilung Stadt- und Regionalentwicklung an der Universität Bayreuth, das untersucht, wie ein tiefgreifender gesellschaftlicher Wandel vor Ort initiiert und begleitet werden kann. Herzstück des Projekts ist ein kooperativer Entwicklungsprozess, der mit Pionier*innen des Wandels eine regionale Plattform für transdisziplinäre Wissensproduktion und Vernetzung gestaltet. Zunächst wurden die Erfolgsfaktoren und Hemmnisse beim Aufbau einer Nachhaltigkeitsplattform erforscht und konkret damit experimentiert. In diesem Rahmen wurde die Veranstaltungsreihe forum1.5 weiterentwickelt, welche den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft etablierte. Aktuell wird das forum1.5 stärker als Netzwerk ausgebaut, das eine Zusammenarbeit von Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik ermöglicht, um die lokalen Handlungsspieleräume für einen Umgestaltungsprozess auszutesten.

 

3 thematische Schwerpunkte Eurer Arbeit:

Vernetzung: Durch das Aufbauen von Kooperationsstrukturen zwischen den Sektoren Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik, werden wichtige und interessierte Stakeholder*innen, die in der Region an der Umsetzung von Klimazielen und der Gestaltung eines tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungsprozesses mitarbeiten wollen, zusammengebracht.

Gemeinsame Ausrichtung und Organisation: Um das Veränderungspotential dieses Netzwerkes zu stärken, wird eine gemeinsame Vision erarbeitet und auf deren Grundlage eine Strategie entwickelt. Im Fokus stehen Handlungsfelder, die auf kommunaler Ebene besonders viele Spielräume für eine gesellschaftliche Transformation bedeuten. In diesem Prozess sucht das Netzwerk auch nach einer geeigneten Organisationsstruktur.

Soziale Innovationen: Durch das Netzwerk entsteht ein Raum, in dem neue soziale Innovationen entstehen und ausprobiert werden. In den Feldern Ernährungs-, Mobilitäts- und Wohnwende werden konkrete Realexperimente darüber hinausgehend vertieft wissenschaftlich durch das Forschungsprojekt begleitet.

 

Beschreibt Eure Aktivitäten in zehn Stichworten:

Gesellschaftlicher Wandel; Klimaziele; transdisziplinäre Wissensproduktion; Handlungswissen/sozial robustes Wissen; soziale Innovationen; kommunaler Handlungsspielraum; Vernetzung & Netzwerkstruktur; Vision; Strategieentwicklung; Realexperimente

Wo würdet Ihr Eure Praxis verorten zwischen den Polen…

Wir arbeiten mit der Nische und stricken daraus einen gesamtgesellschaftlichen Gegenentwurf.

Wissenschaft und Aktivismus hält sich in der Balance. Gleichzeitig mehrere Hüte auf zu haben führt dabei sowohl für sich selbst als auch bei anderen zu verwirrenden Rollenfragen.

Gesellschaftlicher Wandel kann nicht auf den Rücken überlasteter Ehrenamtlicher abgewälzt werden, daher versuchen wir Stellen zu schaffen und dafür zu sorgen, dass sich Kommunen, Universitäten und Unternehmen ihrer Verantwortung und ihrer Spielräume bewusstwerden.

Mit großer Vision träumen wir von einer zukunftsfähigen Region, in der Werte, soziale Praktiken, politische Regelungen und Unternehmertum neu gedacht werden. Dabei gehen wir praktische Wege und entwickeln als Netzwerk real umsetzbare Impulse.

Durch unsere regelmäßige Präsenz in den letzten drei Jahren werden wir als wichtiger lokaler Akteur wahrgenommen und geschätzt, dennoch bleiben wir fern vom konservativen Regime.

Ursprünglich aus der Wissenschaft angestoßen hat sich der Suchprozess durch die beteiligten Pionier*innen des Wandels entwickelt und wird immer weiter geöffnet.

Mit welcher Eurer Aktivitäten aus der letzten Zeit seid Ihr besonders zufrieden und warum?

Die beiden Netzwerkveranstaltungen, die 2019 als Wandelwerkstatt und Wandelwoche stattgefunden haben, führten dazu, dass für die Plattform forum1.5 ein WIR-Gefühl aufkam, welches die aktive Mitgestaltungsmöglichkeit am und die Identifikation mit dem Netzwerk gestärkt hat. Das Vermitteln von wichtigem Handwerkszeug für Wandelpionier*innen, die strategische Planung einer regionalen Wende und die Sichtbarkeit des bereits Erreichten, welches durch beide Veranstaltungen entstanden ist, war für alle Beteiligten ein großer Mehrwert. Besonders gelungen ist dabei auch die Ausweitung des Netzwerks auf Unternehmen und Politiker*innen, die gezielt einbezogen wurden.

 

Welche Aktivitäten habt Ihr als nächstes geplant?

Im Herbst 2020 wollen wir die Wandelwochen wiederholen. Wichtig ist uns dabei, dass die Veranstaltung durch einen intensiveren Beteiligungsprozess viel stärker durch die lokalen Pionier*innen mitgestaltet und entwickelt wird. So wollen wir die Selbstorganisation und damit auch die Dauerhaftigkeit der Veranstaltung gewährleisten, auch wenn das Forschungsprojekt abgeschlossen ist. Parallel dazu verfolgen wir den Netzwerkausbau, bei dem es um die gemeinsame Entwicklung von Werten, einer konkreten Vision von einer wünschenswerten Zukunft unserer Region und einer Organisationsstruktur innerhalb des Netzwerks geht.

 

Zu welchem Thema würdet Ihr gerne arbeiten oder aktiv werden, wenn Ihr keinen praktischen Einschränkungen (z.B. Finanzierung, Zeit) unterläget?

Wir würden gerne in allen Bereichen die Arbeit, die wir bereits einbringen, intensivieren. Das gilt sowohl für den Netzwerkausbau, die Veranstaltungsorganisation und Öffentlichkeitsarbeit. Auch in den lokalen Transformationsfeldern, also Themenbereiche, in denen unsere Region besonders viele Handlungsspielräume auf kommunaler Ebene hat und die eine große Hebelwirkung für gesellschaftlichen Wandel besitzen, vertiefen wir bisher 3 von 8 Feldern. Da könnten wir auch in anderen Feldern aktiv werden, um mit Praxisakteur*innen robustes Handlungswissen für diese Felder zu generieren. Als drittes würden wir gerne dem Thema Visionsfindung und Wertewandel mehr Zeit widmen. Wir stellen immer wieder fest, dass es für einen tiefgreifenden Wandel intensive Haltungsarbeit und Fähigkeitentraining braucht, denn in der Zukunft, die wir uns wünschen, braucht es achtsame Formen der Wertschätzung, der Kommunikation, der Rücksichtnahme und der Zusammenarbeit. Qualitäten, die in einem neoliberalen Wirtschaftssystem verloren gegangen sind.

Welche zentrale Lernerfahrung habt Ihr in Eurer Arbeit zu Transdisziplinarität/Transformativer Wissenschaft gemacht?

– Große Offenheit von Seiten der Gesellschaft, insbeondere Zivilgesellschaft, an den Veränderungsprozessen mitzuwirken.

– Schwierigkeiten Regimeakteur*innen (z.B. Universitätsleitung, Verwaltung) in die Prozesse zu integrieren.

– Inhaltliche Skepsis und zeitlich fehlende Kapazitäten anderer Wissenschaftsakteur*innen.

– Eigene Rollenschwierigkeiten durch die Vermischung von Aktivist*in und Forscher*in.

– Zielgruppenspezifische Ansprache eines so diversen Publikums erfordert viel Expertise in Öffentlichkeitsarbeit und Wissenschaftskommunikation.

 

Was ist Euer Geheimtipp für die Arbeit zu Transdisziplinarität/Transformativer Wissenschaft?

An den Themen arbeiten, die eigene Herzensthemen sind. TW ist nicht nur ein Forschungsprojekt, sondern langfristige Veränderungsprozesse erfordern Zeit, Hingabe und persönliche Authentizität. Ein Team, das dabei gemeinsam an einem Strang zieht und überraschend auftauchende Fäden mitverwebt, ist dabei Gold wert.

 

Was ist die größte Herausforderung bei Aktivitäten zu Transdisziplinarität/Transformativer Wissenschaft?

Die eigenen Grenzen und die des Teams nicht zu überschreiten. Bei TW Forschung schwingt neben den persönlichen hohen Idealen auch die im Nacken sitzende Dringlichkeit mit. Sich davon nicht hetzen lassen und auch damit leben zu können, wenn ein Experiment nicht gelingt, sind wichtige Eigenschaften eines robusten Transformationsteams.

 

Welche institutionellen und/oder strukturellen Faktoren erschweren Euch die Aktivitäten im Bereich Transdisziplinarität/Transformativer Wissenschaft?

Erschwerende Faktoren im Wissenschaftsbetrieb: Zu wenig finanzielle und zeitliche Kapazitäten und schlechte Arbeitsperspektiven in universitären Einrichtungen. Dazu kommen anderweitige universitäre Verpflichtungen und aufwendige Bürokratie. Außerdem auch die fehlende Anerkennung dieser Forschungsdisziplin. Erschwerende Faktoren bei den Aktivitäten: Eine gleichmäßig gelingende Integration aller vier Einflussbereiche – Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft.

 

Was sind aus Eurer Sicht blinde Flecken im Diskurs zu Transformativer Wissenschaft?

Tiefgreifender gesellschaftlicher Wandel erfordert Veränderungsprozesse im Außen sowie im Inneren, sodass Fragen nach Ethik, Werten und Bewusstseinswandel genauso wichtig sind wie soziale oder technische Innovationen.

Stand: Mai 2020

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