Unabhängiges Institut für Umweltfragen e.V. (UfU)

Foto: UfU e.V.

Ort: Berlin, Halle (Saale)
Seit: 1990
Bis:
Aktiv in: Forschung; Wissenschaftskommunikation; Prozessgestaltung; Lobbying; akademisches Publizieren; Umweltbildung und BNE
Kategorie: Institutionen
Website

Das übergeordnete Ziel eurer Arbeit:

Das UfU ist ein wissenschaftliches Institut und eine Bürger*innen-Organisation, deren Ziel es ist, in einem gemeinsamen Such- und Lernprozess mit Zivilgesellschaft, Politik, Forschung und Wirtschaft Entwicklungspfade hin zu mehr Nachhaltigkeit und sozialer wie ökologischer Gerechtigkeit zu beschreiben. Durch angewandt wissenschaftliche Projekte zu sozial-ökologischen und umweltrechtlichen Fragestellungen, Angebote im Bereich der Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) sowie Beratung, Capacity Building und Netzwerkarbeit wollen wir die Lücke zwischen Wissen und Handeln schließen und zivilgesellschaftliche Partizipation und Demokratie in Umweltfragen stärken.

 

Beschreibt in bis zu 100 Worten, wer ihr seid und was ihr macht:

Das UfU wurde als Bürger*innen-Bewegung in der DDR gegründet, um zu Themen zu forschen und aktiv zu werden, die die Zivilgesellschaft bewegen und fördern. Dieses Credo gilt bis heute. Wie kann das Recht aller Menschen auf Zugang zu Umweltinformationen, auf Beteiligung und Rechtsschutz in Umweltfragen gestärkt und umgesetzt werden? Als trans- und interdisziplinär forschendes Institut und gemeinnütziger Verein mit Mitgliedern, einem Vorstand und wissenschaftlichen Beirat schaffen wir gemeinsam Wissen, verbreiten dieses, beraten und stoßen Veränderungen an. Unsere Arbeit gliedert sich in die vier Fachgebiete Energieeffizienz & Energiewende, Klimaschutz & Transformative Bildung, Umweltrecht & Partizipation sowie Naturschutz & Umweltkommunikation. Zusätzlich wirken wir in Netzwerken wie dem Ecornet, das Partnerorganisation der zivilgesellschaftlichen Plattform Forschungswende ist.

 

3 thematische Schwerpunkte eurer Arbeit:

Bildung in den Bereichen Klimaschutz, Energiewende und Transformation

Umweltrecht & Partizipation

Naturschutz & Umweltkommunikation

 

Beschreibt eure Aktivitäten in zehn Stichworten:

Klimaschutz; Energiewende & -effizienz; Naturschutz & Neophytenmanagement; Ressourcenschutz; Umweltbildung, BNE & transformative Bildung; formelle Öffentlichkeitsbeteiligung (Bürger*innen & Verbände) & informelle Partizipation; Umweltrecht; Aarhus Konvention; empirische Rechtsforschung & Evaluation; transdiziplinäre, wertebasierte, angewandte Forschung

Wo würdet ihr eure Praxis verorten zwischen…

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Nische            

Gesamt-
gesellschaftlicher
Gegenentwurf

Mit unserem Aktivitätsprofil und Willen zum Wandel sind wir mittlerweile kein Nischen-Akteur mehr. Doch im gesellschaftlichen Mainstream sind die transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung und lebenslange Bildung für nachhaltige Entwicklung auch noch nicht angekommen.

2 Table Header

Wissenschaft

Aktivismus

Auf der einen Seite forschen wir praxisnah, auf der anderen Seite werden wir selbst aktiv und führen Praxis- und Pilotprojekte durch, um Transformation mitzugestalten.

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Ehrenamt       

Hauptamt

Bei uns arbeiten 32 angestellte und 6 freie Mitarbeiter*innen im Hauptamt sowie beratend 8 ehrenamtliche Vorstandsmitglieder und 20 ehrenamtliche Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats.

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Realpolitik      

Utopie

Unsere Arbeit ist zwar getrieben von der Vision und realen Utopie einer nachhaltigen und fairen Gesellschaft, bezieht sich jedoch auf realpolitische Gegebenheiten und versucht, lösungsorientierte Ansätze zu erarbeiten, um im Hier und Jetzt Veränderungen anzustoßen.

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Etabliert          

Newcomer

Uns gibt es nun (2020) seit 30 Jahren, sodass wir im Bereich der angewandten Nachhaltigkeits- und Rechtsforschung sowie bei politischen Akteur*innen durchaus etabliert und bekannt sind. Aber Luft nach oben ist immer.

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Top-down      

Bottom-up

Unsere Themen und Aktivitäten ergeben sich aus aktuellen, drängenden gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen und werden oft gemeinsam mit der Zivilgesellschaft sowie weiteren relevanten Akteur*innen erarbeitet und umgesetzt.

Mit welcher eurer Aktivitäten aus der letzten Zeit seid ihr besonders zufrieden und warum?

Im Rahmen des Ressortforschungsplan Umwelt des Bundes haben wir mithilfe von 9 regionalen Beteiligungsworkshops untersucht, welche Themen und Methoden sich junge Menschen in der Umweltbildung wünschen. Außerdem haben wir analysiert, wie die Wirkung von Umweltbildungsangeboten derzeit gemessen wird und dazu Handlungsempfehlungen entwickelt. Die Ergebnisse haben uns selbst und vielen weiteren Akteur*innen aus dem schulischen und außerschulischen Bildungsbereich gezeigt, wie sich Angebote zielgruppenorientierter und wirksamer gestalten lassen.

In einem internationalen Kooperationsprojekt haben wir gerade eine umfassende Studie über die Beteiligungsmöglichkeiten zivilgesellschaftlicher Organisationen im Bereich der Klimapolitik in Kolumbien, Georgien und der Ukraine abgeschlossen: Welche Partizipationsrechte sind gesetzlich verankert? Wie werden sie praktisch umgesetzt? D.h. wie ist die Zivilgesellschaft z.B. in die aktuelle Erarbeitung der nationalen Klimaschutzbeiträge eingebunden? Welche Hürden stehen wirksamer Beteiligung im Weg? Und an welchen Schrauben müsste jeweils gedreht werden, um das Mitspracherecht von NGOs vor Ort zu stärken? Eine externe Evaluation hat uns gezeigt, dass unsere zivilgesellschaftlichen Partnerorganisationen diese Analyse und Handlungsempfehlungen als sehr bereichernd bewerten und die Ergebnisse nun über verschiedene Kanäle auch an politische Entscheidungsträger*innen gerichtet werden.

Im COBENEFITS Projektverbund geführt vom IASS, mit Forschungspartner*innen in Indien, Südafrika, Türkei und Vietnam haben wir mit Stakeholderworkshops und Roundtables Politikansätze ermittelt und weiterentwickelt, die unterstützen, dass die positiven Nebeneffekte (Co-Benefits) von Erneuerbaren Energien, wie z.B. saubere Luft, neue Arbeitsplätze und Versorgungssicherheit realisiert werden.

Auf der Konferenz »Climate Opportunity 2019« haben wir 150 Forscher*innen, Entscheidungsträger*innen und Praktiker*innen zusammengebracht.

 

Welche Aktivitäten habt ihr als nächstes geplant?

An die erfolgreiche Zusammenarbeit im COBENEFITS Projekt knüpfen wir an und arbeiten künftig auch mit Partner*innen in Kenya und Mexico zu den positiven Nebeneffekten von Erneuerbaren Energien zusammen. In der zweiten Projektphase werden wir die Studien und Dialoge die bisher auf der nationalen Ebene durchgeführt wurden auf die regionale Ebene tragen und den Austausch der Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen die weltweit zu Co-Benefits arbeiten, stärken. Dafür setzen wir verstärkt auf virtuelle Formate.

 

Zu welchem Thema würdet ihr gerne arbeiten oder aktiv werden, wenn ihr keinen praktischen Einschränkungen (z.B. Finanzierung, Zeit) unterläget?

Erforschen und mit diversen Akteur*innen daran arbeiten, wie die Zivilgesellschaft (Bürger*innen ebenso wie organisierte Zivilgesellschaft) noch besser, ernsthafter und wirksamer in nachhaltigkeitspolitische Entscheidungsprozesse eingebunden und Beteiligungsprozesse und deren Ergebnisse verbindlich werden können.

Welche zentrale Lernerfahrung habt ihr in eurer Arbeit zu Transdisziplinarität und transformativer Wissenschaft gemacht?

Das Wichtigste scheint aus unserer Sicht, dass das Projekt an echten Bedarfen ansetzt und Motivationen aller Beteiligten offen benennt und im Prozess immer wieder aufgreift. Man sollte sich immer wieder die Zeit dafür nehmen, in gemeinsamer Reflexion und im Dialog auszuloten: Was ist unser gemeinsames Ziel? Sprechen wir von denselben Dingen? Wie können wir jeweils mit unserem Wissen und unseren unterschiedlichen Kompetenzen zum Prozess beitragen? Und was können wir voneinander lernen und weiter tragen?

 

Was ist euer Geheimtipp für die Arbeit zu Transdisziplinarität und transformativer Wissenschaft?

Den Mehrwert, den das Projekt für die einzelnen Akteure schafft, gilt es so greifbar wie möglich zu machen und immer wieder auch an diesen Einzelinteressen anzusetzen, um das gemeinsame Interesse herauszuarbeiten. Dafür sind eine sensible Sprache und Kultur der Zusammenarbeit nötig, die sich in durchdachten Abläufen für z.B. Projekttreffen niederschlägt.

 

Was ist die größte Herausforderung bei Aktivitäten zu Transdisziplinarität und transformativer Wissenschaft?

Kapazitäten für die Gestaltung dieser Prozesse zu haben. Transdisziplinäre Projekte, die in einem iterativen und partizipativen Prozess geplant sind, sind nach wie vor eine Seltenheit. Weiterhin, die Ergebnisse der Forschung so aufzubereiten und zu verbreiten, dass sie in der Öffentlichkeit und an den relevanten Stellen Gehör finden und beachtet werden.

 

Welche institutionellen und/oder strukturellen Faktoren erschweren euch die Aktivitäten im Bereich Transdisziplinarität und transformative Wissenschaft?

Siehe oben, transdisziplinäre Projekte brauchen besondere Kapazitäten und Fertigkeiten im Projekt- und Kooperationsmanagement. Die wenigsten Förderer sind bereit, dies angemessen in Projektbudgets vorzusehen.

 

Stand: September 2020